Meinungen / Informationen

Leserbrief zum „Bürk“

Welch eine Chance!

12 Ja-Stimmen und 4 Enthaltungen im Verwaltungs- und Kulturausschuss zu den neuen Plänen für das Bürk-Areal – das lässt erst einmal aufatmen. Es ist geradezu eine Wohltat, dass in den städtischen Amtsstuben eine Idee entwickelt, ein Plan vorbereitet wurde, der eine tolle Perspektive bietet: Zusammenführen von Heimatmuseum, Städtischer Galerie und Uhrenindustriemuseum zu einem neuen, großen Ganzen: dem Bürk – ein Ort, an dem Geschichte, Identität und bürgerschaftliches Miteinander erlebbar wird. Hier kann der Ort entstehen, an dem Ideen geboren und ausprobiert, Bewährtes und Vertrautes gezeigt und Neues daraus entwickelt wird, ein Ort voller Chancen für alle Bürgerinnen und Bürger von Villingen-Schwenningen und ein Anziehungspunkt für Auswärtige.

Wir appellieren an die Stadträtinnen und -räte diese Chance zu bejahen, sie nicht zu zerreden. Solch ein Kultur-Zentrum für nicht einmal 3 Millionen städtischen Eigenbeitrag zu realisieren ist großartig. Diesen kulturellen Ankerpunkt für den Stadtteil, für die Stadt als Ganzes und für die Region zu schaffen, ist jede Anstrengung wert.

Eberhard Hummel

Christine Tocha

Dr. Holger Westendorf

Freundeskreis Kultur VS e.V.

Mitgliederversammlung des Freudeskreises Kultur Villingen-Schwenningen

Oktober 2021

  • Schwerpunkt bei Kulturausgaben und Bürkareal

  • Vorstand im Amt bestätigt

  • Unterstützung von Stadt-Jubiläum und Literaturtagen

Corona und Kultur – das ist eine schwierige Beziehung, so auch in Villingen-Schwen­ningen. Über mehr als ein Jahr war ein großer Teil der kulturellen Aktivitäten in VS weitgehend heruntergefahren, und auch am Ende der Corona-Pandemie kommt der Kulturbetrieb wegen der bestehenden Beschränkungen nur langsam wie­der in Fahrt.

Vor diesem Hintergrund traf sich der Freundeskreis Kultur zur Mitgliederversamm­lung, erstmals nach zwei Jahren, da die Versammlung des letzten Jahres hatte aus­fallen müssen.

Schwerpunkte in den letzten beiden Jahren waren Aktivitäten auf der kommunal­poli­tischen Ebene: Kampf um die Aufrechterhaltung der Kulturausgaben sowie Unter­stüt­zung der Planungen zum Bürk-Areal, dem neuen kulturellen Mittelpunkt von Schwen­ningen.

Zu beiden Themen konnte der Vereinsvorsitzende Eberhard Hummel Erfreuliches berichten: Der qualifizierte Vergleich der Kulturausgaben von VS mit anderen Baden-Württembergischen Städten hatte gezeigt, dass Villingen-Schwenningen nur wenig mehr als die Hälfte des Geldes aufwendet im Vergleich zu anderen Städten. Dieses Ergebnis brachten wir offensiv in die politische Diskussion ein und konnten uns schluss­endlich freuen, dass der Gemeinderat von Kürzungen im Kulturetat weit­ge­hend abgesehen hat.

In den Planungen zum Bürkareal hat es eine deutliche Weiterentwicklung gegeben, die in diesen Tagen in den Gemeinderat getragen werden soll. In die Vorbereitungen konnten wir unsere Sicht aktiv einbringen und wollen nun die öffentliche Diskussion unterstützen.

Der Vorstand mit Eberhard Hummel und Christine Tocha an der Spitze wurde ein­stimmig wiedergewählt, der Verein ist finanziell solide aufgestellt, die Ent­lastungen für Vorstand und Kassenführung wurden erteilt – die Vereinsarbeit kann also weiter­gehen. Dazu werden im nächsten Jahr gewohnte Aktivitäten wie Jugend­arbeit und Unterstützung besonderer kultureller Veranstaltungen wieder aufge­nom­men, und der Verein wird sich am Stadt-Jubiläum und den Baden-Württem­bergi­schen Literatur­ta­gen beteiligen, z.B. mit Schüler-Literaturwettbewerb und Lesewan­de­rung.

Die Teilnehmer der Versammlung waren sich einig: Selten war Kulturarbeit so wichtig wie heute!
 

Kultur in Coronazeiten

Die Coronakrise schränkt auch unsere Aktivitäten ein. So konnten wir ab März 2020 jahrelang erfolgreich praktizierte Förderangebote für Kinder und Jugendliche, wie z.B. „Kultur macht fit“ (KUMFI) oder den Wettbewerb Jugendabos auf Grund der Schul – und Theaterschließungen nicht durchführen.

Angesichts möglicher drastischer Einsparungen im kulturellen Bereich durch die Verwaltung der Stadt setzt sich der Verein vehement für den Fortbestand des vielseitigen und exzellenten Kulturlebens in VS ein. Es finden u.a. Gespräche mit Herrn Oberbürgermeister Roth und Gemeinderatsmitgliedern, offene Briefe, Pressetermine und Pressemitteilungen statt. Auch die Freundeskreise für die Museen und für die Stadt­­bibliothek und der Geschichts- und Heimatverein Villingen schließen sich den Appellen an.

Gemeinsam mit dem Freundeskreis für die Museen und dem Freundeskreis der Stadtbibliothek haben wir die Ausgaben für Kultur verschiedener Städte in Baden-Württemberg (Konstanz, Reutlingen, Tübingen) mit Villingen-Schwenningen verglichen. Die Städte haben ähnliche Einwohnerzahl und ähnliches Steueraufkommen. Auch wenn ein 1:1-Vergleich der Aufwendungen nicht möglich ist, ergibt sich ein Ergebnis das valide ist und zu denken gibt:

  • Während Villingen-Schwenningen 9,6 Mio. € p.a. für Kultur ausgibt, sind es bei den Referenzstädten im Durchschnitt 18,1 Mio. € (2019).

  • Bezogen auf die Einwohnerzahl bedeutet das in VS 113 € pro Einwohner, in den anderen Städten 188 €, also 67 % mehr.

  • Auch bei Berücksichtigung der Steuerkraft ergibt sich das gleiche Bild: Die Kulturausgaben in den Referenzstädten sind um 53 % höher.

Mit anderen Worten: Bei den Ausgaben für Kultur ist Villingen-Schwenningen das Schlusslicht!

Was bedeutet das für die Stadtpolitik?

  • Wenn Villingen-Schwenningen seine Attraktivität behalten will, muss der Kulturbereich erhalten, gepflegt und ausgebaut werden. Andere tun mehr!

  • Die Aufwendungen für Kultur in VS liegen bei weniger als 3 % des Verwaltungshaushaltes. Haushaltskonsolidierung durch Kürzungen im Kulturbereich ist unmöglich!

Eine Stadt ohne Theater ist ein Dorf“
(Anna Mauder, Theaterzeitung Oktober 2020).

Stellungnahme des Freundeskreises Kultur zum „Bürk Areal“

Oktober 2020

Unterstützung des Projekts “Bürk-Areal”

Perspektivisch über die Corona- Krise hinweg unterstützt der Freundeskreis Kultur Villingen-Schwenningen das Projekt eines Museumsquartiers auf dem Bürk-Areal aus folgenden Gründen:

Eine Stadt von der Größe des Oberzentrums Villingen-Schwenningens braucht eine heterogene Museumslandschaft, deren Fortbestand auch in Zeiten knapper Kassen notwendig ist.

Das Weiterbestehen des Heimat- und Uhrenmuseums und der Städtischen Galerie an ihren bisherigen Standorten ist ohne aufwändige Sanierungsarbeiten (u.a. Brandschutz, Barrierefreiheit) jedoch nicht möglich.

Die Schaffung eines Museumsquartiers auf dem Bürk-Areal bietet neue Chancen:

• Die Zusammenführung des Heimat- und Uhrenmuseums mit dem Uhrenindustriemuseum ermöglicht die stringente Darstellung der einmaligen Handwerks- und Industriegeschichte in VS. Die damit verknüpfte Museumskonzeption “Zeit – Raum” mit dem Fokus auf Zeit und Zeitstrukturen seit dem 18. Jahrhundert ist so noch in keinem Museum Deutschlands aufbereitet und hat somit ein Alleinstellungsmerkmal.

• Die Städtische Galerie mit ihrem über 3000 Werke umfassenden Sammlungsbestand und dem historisch bedeutenden Erbe des Lovis-Kabinetts erhält unter dem industriearchitektonischen Dach des Bürk-Areals neue Möglichkeiten für Ausstellungskonzepte und Ausstellungsformen.

Mit dem neu ausgebauten Bürk-Areal bekommt Schwenningen seine eigene „Museumsinsel“!

Stellungnahme des Freundeskreises zur überarbeiteten Version der Beratungsfirma KGSt zur Kulturpolitik der Doppelstadt

05. Mai 2017

Inzwischen liegt die überarbeitete Fassung der Beratungsfirma KGSt zur Stadtentwicklung vor. Nach dem Entsetzen, das die Erstausgabe im Bereich der Kultur ausgelöst hat, nach verschiedenen Leserbriefen und Stellungnahmen dazu und nach der öffentlichen Anhörung versprach der verantwortliche Verfasser, Herr Greskowiak, Kritik und Anregungen in eine verbesserte Version aufzunehmen. Nichts davon ist nun hinsichtlich seiner Sicht der Kulturentwicklung in VS geschehen!

In der Analyse der KGSt wird das Angebot des Kulturamt der Stadt zwar gelobt, in den Empfehlungen für die Weiterentwicklung aber letztlich als überflüssig beurteilt. Völlig unrealistisch geht das Büro davon aus, dass Vereine, Unternehmen und Private aufgrund ihres „bürgerschaftlichen Engagements“ das Kulturangebot „bedarfs- und nachfrageorientiert“ vollständig ausgestalten könnten, es eines eigenes Programm des Kulturamts nicht bedürfe. Auch der „Bildungsauftrag von Kultur“ würde durch „Private“ ausreichend abgedeckt. Ob dadurch jedoch größere oder andere Zielgruppen als bisher angesprochen würden, erscheint äußerst zweifelhaft.

Bei allem Respekt vor der Leistung solcher Vereine und Ehrenamtlichen, die auch weiterhin eine Förderung durch die Stadt verdienen, kann deren Angebot die Spitzenqualität und die gezielte, systematische Bildungsarbeit des Amts für Kultur nie erreichen. Professionelle Theater- und Opernensembles aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, Konzerte international führender Orchester, Modern Dance aus der ganzen Welt und Bildende Künstler von Rang wird man dann in VS nicht mehr erleben. Das international hoch geschätzte Konzerthaus am Franziskaner stünde meist leer, das in den 1990er Jahren grundlegend aufgerüstete Theater am Ring wäre eine im Nachhinein überflüssige Fehlinvestition.

Die 150.000 Nutzer von Kultureinrichtungen der Doppelstadt aus der ganzen Region würden einfach missachtet – ein Imageschaden von nicht absehbaren Konsequenzen für den Standort VS. Zudem stehen die Vorschläge der KGSt in krassem Widerspruch zum Kulturleitbild, das sich die Stadt selbst erarbeitet hat.

Die 1972 mit Einrichtung des Oberzentrums politisch gewollte Aufwertung ländlicher Bereiche würde unterlaufen und sträflich zunichte gemacht. Ein bedeutender Standortfaktor, der die Stadt herausragen lässt und nicht wenigen Unternehmen, Führungskräften und Mitarbeitern für die Ansiedlung in VS wichtig ist, würde ohne Not zerstört. Villingen-Schwenningen würde in die Provinzialität gestoßen, Ausstrahlung verlieren, die ganze Region würde kulturell verarmen.

Wir wundern uns, wie unwissend, ja zerstörerisch die KGSt im Bereich Kultur vorgeht. Will oder kann sie die Konsequenzen nicht sehen?

Wir hoffen, dass unser Oberbürgermeister und die Entscheidungsträger in Gemeinderat und Stadtverwaltung diese Konsequenzen im Blick haben. Der Freundeskreis Kultur VS e.V. wird auf jeden Fall weiterhin mit allen ihm zur Verfügung stehenden Argumenten dafür kämpfen, unsere Doppelstadt kulturell attraktiv und niveauvoll zu erhalten.